Liebe versus Dominanz

Eine liebe FemDom Freundin hat mir erzählt, sie empfinde Dominanz und Liebe als zwei sich gegenüberliegende Pole. Sobald ihre Gefühle im Vordergrund stünden, könne sie nicht mehr wirklich streng und konsequent sein. Selbst die Freude, ihrem masochistischen Partner weh zu tun, erfährt durch die Liebe einen deutlichen Dämpfer. Sie fragte mich deshalb, ob und wie sie diese beiden sich konkurrierenden Aspekte harmonisch miteinander verbinden könne. Mit dieser Frage steht meine Freundin nicht alleine da; es ist ein bekanntes Phänomen, welches im BDSM-Kontext häufig diskutiert wird.

Liebe ist ein mächtiges Gefühl

Liebe ist ein mächtiges Gefühl, welches ohne unser Dazutun in unserem Innern entsteht. Es ist ein Gefühl inniger wie auch tiefer Zuneigung und Verbundenheit. Wir können dieses Gefühl nicht steuern, es ergreift uns und nimmt von uns Besitz. Liebe kann bei entsprechenden Neigungen auch das Begehren erwecken, aus dem Wunsch heraus, einander noch näher zu spüren und noch stärker zu verbinden. Liebe kann jedoch auch den Beziehungsstatus ändern, vom Nützlichen weg, zum rein Gefühlsmässigen, wenn es plötzlich Boom macht.

Zwei Menschen können sich verlieben, zu einem Paar werden und später zusammen BDSM entdecken. Umgekehrt können sich zwei explizit über ihre Neigungen treffen und sich zuerst in diesen festgelegten Rollen, sie FemDom und er Sub zusammenfinden.

Fühlt man Dominanz und Sadismus – oder ist man dominant und sadistisch?

Beides ist möglich, denn Dominanz kann mehr als eine Charaktereigenschaft sein, mehr als ein Gefühl und mehr als ein erotisches Begehren. Manchmal ist es für eine FemDom ein natürlicher Drang, über alle devoten Männer bestimmen zu wollen. Bei anderen FemDoms weckt jedoch nur dieser eine Mann das Begehren, diesen führen und dominieren zu wollen. Genauso ist es mit dem Sadismus im BDSM-Kontext. Die eine Femdom kann sich ohne Weiteres an unterschiedlichen, passenden Subs austoben. Die andere möchte nur den einen Sub, auf dessen Po sie die Peitsche tanzen lassen will. Die Wesensart und die Haltung der FemDom gegenüber ihren Neigungen und den Personen, mit welchen sie diese auslebt, ist entscheidend.

Wenn Liebe für die Dominanz Bedingung ist

Findet Femdom plötzlich den Weg in eine auf Liebe basierende Partnerschaft, kann das Femdompaar BDSM als bereichernden Ausdruck ihrer Verbundenheit entdecken und zelebrieren. Da kann es sein, dass die Liebe nicht nur ein starker Motor, sondern sogar Bedingung für Dominanz und Unterwerfung ist.

Probleme in der Beziehung sind hier eher die Auslöser für einen vorübergehenden Stillstand auf der BDSM-Ebene. Die FemDom und der Sub fallen aus ihren Rollen und das Femdomleben wird empfindlich durch Missstimmungen und Unruhen gestört. Ein solches Paar muss in der Regel zuerst das zwischenmenschliche Problem lösen, die Liebe hegen und pflegen, damit die Lust an Femdom-Sub Aktivitäten wieder entfacht wird.

Wenn die Liebe die Macht an sich reisst

Wenn jemand das passende Pendent unter dem Aspekt der BDSM-Neigungen sucht, liegen die Prioritäten erstmal fest. Entweder steht eine Spielbeziehung im Vordergrund oder der klare Wunsch nach einer dauerhaften FemDom- oder FLR-Beziehung. Springt der Funke über, findet man sich bald in der ersten Session wieder. Eine aufregende Zeit beginnt. In den Sessions erlebt der frischgebackene Sub seine Herrin, gibt sich ihrer Führung hin und nimmt ihre sadistischen Gaben an. Die Herrin wird berührt durch seine Demut und Folgsamkeit als auch durch seine Lust, welche aufgrund ihrer Dominanz entsteht. Sie lässt sich verwöhnen und spürt, wie gerne er es für sie tut. Das gegenseitige Vertrauen steigt, die Zuneigung verstärkt sich oft proportional zu den tief empfundenen, gelungenen Sessions. Und plötzlich ist man Hals über Kopf verliebt!

Je näher man sich kommt, umso grösser die „Gefahr“, dass die Femdombeziehung in eine Liebesbeziehung abgeleitet. Bei vielen Paaren ist dies überhaupt kein Problem, beides wird wunderbar verknüpft ausgelebt.

Bei anderen jedoch kommen alle erlernten psychologischen oder sozialen Aspekte ins Spiel. Man kann doch denjenigen, den man liebt nicht herumkommandieren und schon gar nicht so konsequent und streng sein. Weh tun – seinem Liebsten, echt weh tun – das geht doch nicht! Die inneren Hemmschwellen bauschen sich auf und können zu Spielverderbern mutieren. BDSM droht im Wattenmeer der Rosawolken zu versinken. Panik ist jetzt verkehrt, denn die dominant/sadistische Persönlichkeit löst sich nicht in Luft auf und der devot/masochistische Kern des Gegenübers verschwindet ebenso wenig ganz von der Bildfläche. Verliebt zu sein ist wunderschön, deshalb sollte man es vorerst geniessen und nicht gleich in Panik geraten. Alles braucht seine Zeit.

Wie Raum für Liebe und BDSM gleichzeitig schaffen?

Plötzlich merkt vielleicht die FemDom, dass ihr die Macht so langsam aber sicher völlig entgleitet. Ihr Sub macht mehr oder weniger sein Ding und die Folgsamkeit hat mächtig nachgelassen. Die FemDom drückt immer mehr und mehr ein Auge zu und der Sub verliert sich in dieser Führungslosigkeit oder nutzt diese schamlos aus, obwohl er im Grunde aus tiefstem Herzen devot ist. Man befindet sich in einer Spirale, die früher oder später zu Unzufriedenheit und Frust führt. Wie schafft man es da wieder raus, wie kann man Liebe und BDSM jetzt vereinen?

Sich die Wahl erarbeiten

Hier ist zuerst einmal die FemDom in der Pflicht, denn sie hat den Machtanspruch und will ihren Sub schliesslich in ihrem Sinne führen. Die Führung inne zu haben, bedeutet auch Verantwortung dafür zu übernehmen, dass die Dinge in der Femdombeziehung so laufen, wie Frau es möchte. Reissen die Schmetterlinge ihr zu oft das Zepter aus der Hand und übernehmen die Entscheidungen? Sagt die Liebende „ja“, wo die innere FemDom „nein“ sagen würde? Oder lässt die Verliebte dem Sub Dinge durchgehen, bei der die FemDom eigentlich hart durchgreifen würde? Sobald die Nachgiebigkeit und die Schonung des Subs die FemDom heftig frustrieren, ist es höchste Zeit einen Richtungswechsel zu vollziehen. Die FemDom soll sich daran erinnern, dass sie jederzeit die Wahl hat. Will sie jetzt streng oder sanftmütig sein, will sie konsequent oder nachlässig sein, will sie ihren Sub an die Leine nehmen oder sich mit ihm gehen lassen? Nicht die Liebe bestimmt darüber, sondern die FemDom; sie kann wählen. Dabei können einige Strategien Hilfe leisten.

Sich Strategien aneignen

Eine wichtige hilfreiche Strategie ist es, einen kleinen Zeitpuffer zwischen Aktion und Reaktion einzubauen. Ein Ansinnen des Subs, eine schnell hingeworfene suggestive Frage, „Ich möchte gerne, ist doch schon in Ordnung, oder?“, muss nicht sofort mit einem automatischen „ja“ beantwortet werden. Warum nicht sagen: „Hmm, das überlege ich mir gleich und gebe dir Bescheid!“ Oder wenn er sagt, „Ich habe das aus diesem Grund jetzt so gemacht, weil ich dachte, dass das schon gut ist!“, muss nicht mit einem schnellen „OK“ quittiert werden, sondern warum nicht mit „Sooosooo, da schau mal einer an!“. Das schafft ein bisschen Abstand, damit die Frau überlegen kann, was sie wirklich will. Will sie es für einmal durchgehen lassen, weil es gerade so schön ist, oder will sie das Zepter wieder der Femdom in ihr überlassen und streng sagen: „Nein, kommt überhaupt nicht in Frage! Ich will es so!“? Eine FemDom kann sich auch immer etwas Zeit ausbedingen oder einen Zeitpuffer benutzen, um ihrer Femdomseele mehr Raum zu geben. Ein kurzes „Moment bitte!“ wirkt manchmal Wunder. Nach und nach findet sie so wieder in ihren gewohnten Entscheidungsmodus zurück.

Feste Rituale im Alltag oder bei den Treffen können die Positionen der beiden auch wieder ins Zentrum rücken. Der Fusskuss, das Knieen vor der FemDom und das Abwarten des Subs auf die Erlaubnis für bestimmte Handlungen. Auch hilft es sehr, wenn die FemDom jedes unangebrachte Verhalten rügt und zeigt, dass sie es bemerkt hat. Sofortige kleine Strafaktionen sind ebenso hilfreich; es muss ja nicht gleich die Abstrafung mit dem Rohrstock sein. Ein Wink, dass er sofort auf die Knie gehen und dort auch bleiben soll, bis sie ihn erlöst, kann sofort wieder deutlich machen, wo sein Platz ist.

Letztlich ist eine Femdombeziehung, wie eine Liebesbeziehung, immer einem Wandel und einer Entwicklung unterworfen. Es gibt immer wieder Möglichkeiten, einen neuen Schub in die gewünschte Richtung zu geben. Manchmal braucht es dazu aber auch ein Quäntchen Zeit und dieses darf man sich nehmen.

Sich bewusst werden, dass Dominanz und Sadismus erwünscht sind

Die Lust des Subs auf Dominanz und Sadismus seiner Herrin verschwindet nicht mit seinen Gefühlen der Liebe. Vielmehr ist es die FemDom, die sich plötzlich gehemmt fühlt ihre Dominanz auszuleben und den Sadismus zu pflegen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass sich die FemDom immer wieder vor Augen führt, dass sie als FemDom erwünscht ist. Ihr Sub sucht nicht Nachsicht und Schonung, er sucht Strenge und Herausforderungen. Natürlich beglückt ihn die Liebe seiner FemDom, doch noch glücklicher ist er, wenn sie in ihrer Dominanz aufgeht. Selbst wenn es vordergründig so aussieht als würde er von der vorübergehenden Milde der FemDom profitieren, macht ihn diese jedoch eher unzufrieden und nervös. Am Anfang stand das Spiel der Neigungen im Vordergrund, dann regierte die Liebe, aber jetzt darf wieder die Dominanz und der Sadismus der FemDom im Fokus stehen. Dominant und sadistisch zu sein ist absolut in Ordnung, auch wenn man liebt.

Dominanz und Devotion, Sadismus und Masochismus sind absolut gleichwertig

In der Phase der Verliebtheit ist man als FemDom stets versucht gerecht zu sein, um dem Sub ja nicht das Gefühl zu vermitteln, er könnte durch seine Devotion minderwertig sein. Schnell ist so die Versuchung da, es ihm besonders recht zu machen. Das ist überhaupt nicht notwendig. Ob man in einer BDSM-Beziehung oben steht oder unten – es gibt kein besser oder schlechter und kein wertvoller oder wertloser. Beide bedingen einander in einer Femdombeziehung und beide füllen ihren Teil in der Beziehung zur Hälfte aus. Alle BDSMler sind gleich in einem Punkt, nämlich in dem, dass sie ihre Neigungen haben und ausleben wollen. Dazu braucht es das Gegenüber, welches zu den eigenen Wünschen passt und so wird die Balance zwischen Devotion und Dominanz und zwischen Masochismus und Sadismus hergestellt.

Liebe ist keine Konkurrenz zu BDSM

Die Liebe ist kein Feind für das Ausleben der Neigungen einer FemDom. Spürt die FemDom die Hingabe, das Vertrauen und die Dankbarkeit des Subs nach ihrer strengen Zurechtweisung oder einer harten Session, darf ihr das Beweis sein, dass Liebe und BDSM keine Konkurrenten sind. Liebe, Dominanz und Sadismus stehen sich nicht im Wege. Manchmal braucht es einfach nur ein bisschen Übung zeitgleich mit ihnen umzugehen. Die verschiedenen Kräfte müssen wirklich nicht gegeneinander antreten! Dominanz und Liebe können nebeinander in die gleiche Richtung fliessen und so gemeinsam für ein wundervolles Miteinander als FemDom und Sub sorgen.

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