FLR und Söhne, was kann passieren?

Lady Tessina fragt:

Hallo Lady Rose

Ich bin Tessina, mein Mann und ich leben zusammen, wir pflegen den FLR-Stil und wir haben Söhne zwischen 9 und 14 Jahre alt. Ich frage mich, ob unser Lebensstil unsere Jungen beeinflussen wird, natürlich meine ich nicht erotische Aspekte, aber könnte dies meine Söhne nicht dazu provozieren, sich generell unterwürfig in Bezug auf Frauen zu verhalten? Vielen Dank und ich freue mich auf Ihre Antwort

Liebe Lady Tessina

Femdom, FLR und einen Familienalltag mit Kindern, was passiert dabei? Das ist eine sehr wichtige Frage, welche wohl niemals wirklich bis ins letzte Detail beantwortet werden kann.

Einfluss auf die Kinder mit dem eigenen Lebensstil?

Es lässt sich nicht vermeiden, dass der Lebensstil der Eltern immer einen Einfluss auf die Kinder hat. Das betrifft nicht nur den partnerschaftlich gelebten Lebensstil, sondern generell die Wertvorstellungen, die man vorlebt, die Strukturen, die man zur Verfügung stellt und das Umfeld, in welchem sich die Familie bewegt.

Was formt die Persönlichkeit und die psychosexuelle Identität

Leider bin ich nicht Psychologin, und so werden die Fragen lediglich aus meinen Erfahrungen heraus beantwortet. Um hier professionelle Antworten zu erhalten, wäre es sinnvoll, sich direkt an einen Psychologen oder eine Psychologin zu wenden.

Dennoch bin ich der Meinung, dass die Persönlichkeit und die sexuelle Ausrichtung eines Menschen nicht nur über einen Strang alleine gebildet werden. Aus meiner nebenberuflichen Ausbildung zur psychologischen Astrologin, die ich allerdings vor über 20 Jahren absolviert habe, sind mir einige wichtige Aspekte geblieben. Zum einen sind es genetische Bedingungen und das Geschlecht und die Identität. Zum anderen sind es Erfahrungen, Geschehnisse und Prägungen von aussen, die den Charakter und unterschiedliche Neigungen mitprägen oder akzentuieren können. Des Weiteren sind es die in jedem Menschen sich widerstreitenden Bedürfnisse, Vorstellungen und Wünsche. Es gibt keine leichten Antworten und oft sind diese Dinge so ineinander verwoben, dass es sich nicht simpel herauskristallisieren lässt, worauf eine gewisse Art zu sein ausschliesslich resultiert. Als sehr wichtiger Aspekt möchte ich noch die Essenz des Menschen benennen, welche aus all den inneren und äusseren Möglichkeiten eine Auswahl trifft und selbst entscheidet. Zudem ist die Entwicklung des einzelnen Menschen ein ewiger Prozess und selbst wenn dem Wesen nach, der Mensch mit 60 noch der gleiche ist, wie mit 20 Jahren, so ist er anderseits auch wieder ein ganz anderer geworden, durch das Leben, welches ihn dauerhaft formt.

Die Normalität aus dem Elternhaus

Kinder können oftmals nicht erkennen, dass andere Familien anders sind, andere Eltern sich anders verhalten, sei es in der Erziehung, sei es bezüglich Kommunikation und sei es letztlich, in der Art, wie sie sich als Paar verhalten. Das sind prägende Muster, ohne dabei an das zu denken, was hinter verschlossener Schlafzimmertüre geschieht. Erst wenn Söhne und Töchter älter werden, wird ihnen auffallen, dass andere Kinder andere Dinge als normal wahrnehmen und erleben.

In vielen Familien wird einer von beiden Elternteile zu Hause das Sagen haben, selbst wenn nie darüber gesprochen wird. FLR wird häufig praktiziert, oder sagen wir mal so ausgelebt, dass daheim Mama das soziale Leben bestimmt und Papa sich ausserhalb der vier Wände, zum Beispiel in der Karriere auslebt, unabhängig davon, ob beide arbeiten oder nicht. Auch ist es sehr häufig so, dass die Frau die Sexualität bestimmt, und dabei meine ich nicht unter dem Aspekt von BDSM. Wenn sie nicht will, dann gibt’s eben keinen. Abgesehen davon wird Sex immer noch häufig als Druckmittel benutzt, um den Mann ein wenig in die gewollte Richtung zu stupsen. Oft ist es nicht einmal bewusst, und meistens wird es nicht thematisiert, es schleicht sich einfach so ein. Vielen Männern ist es jedoch wichtig, dass ihre Frau zu Hause zufrieden ist, denn so geht es auch ihnen selbst viel besser. Natürlich ist es jedoch in jeder Familie anders und es muss nicht so offensichtlich sein. Oft ist es in der heutigen Zeit ein Bedürfnis, als Mann und Frau ein Team zu bilden, und auch gegenüber den Kindern ein kongruentes Elternpaar zu sein, in der beide gleichermassen die Verantwortung übernehmen.

FLR ist nicht gleich FLR

Welche Art weiblich geführter Beziehung zu Hause gelebt wird, ist in jedem Fall sehr individuell. Was du Lady Tessina unter unterwürfigem Verhalten verstehst, weiss ich nicht und genauso wenig, wie dies konkret zu Hause rüberkommt. FLR muss nicht offensichtlich sein, kann sich ganz natürlich präsentieren, im Sinne davon, dass er seine Frau und die Mutter der Kinder stets zuvorkommend und liebenswürdig behandelt, ihr zur Hand geht, mithilft und sich wie ein Gentleman benimmt. Die dominante Frau kann ihn ebenfalls liebevoll und ohne Abstrafung, Demütigung und Überheblichkeit behandeln, besonders vor den anwesenden Kindern. Eine Metaebene des sich Verstehen und sich Lieben fliesst auf jeden Fall immer mit ins Familiengefühl, wenn sie vorhanden ist. Aber umgekehrt auch, wenn die Beziehung der Eltern angespannt ist, ungerecht und einer von beiden vom anderen unterdrückt wird. Es ist immer das Mass und die Art, welche die Musik macht, und die Melodie, welche die Kinder hören und verinnerlichen. Was hinter der Schlafzimmertüre passiert, ist ebenfalls nicht für die Kinder bestimmt und Zurückhaltung ist angebracht. Wichtig ist, dass Kinder darüber reden können, dass eine offene Atmosphäre herrscht. Fragen der Kinder sollten ihrem Alter entsprechend beantwortet werden, und es ist auch nicht verkehrt, mit ihnen zu reden, falls das Gefühl hochkommt, dass es sie beschäftigt. Auf gewisse Dinge innerhalb der FLR zu verzichten, wenn es sich offensichtlich verstörend auf die Kinder auswirken könnte, halte ich für selbstverständlich. Die Kinder werden erwachsen, und die Freiheit naht und kehrt in schnellen Schritten zurück. Darauf kann sich das Paar freuen und gemeinsam Pläne schmieden.

Was wenn die FLR böse, herrisch und unversöhnlich wirkt

Wenn die Eltern in einem ungesunden Machtverhältnis zueinander leben, der eine böse ist, demütigend und unterdrückerisch, ist es natürlich eine andere Geschichte. Es kann wirkliche Probleme bei Kindern verursachen, egal ob Mädchen oder Jungs. Für Kinder ist Disharmonie ein schreckliches Gefühl und oftmals neigen Kinder dazu, sich als Grund für die Unstimmigkeiten der Eltern zu sehen. Keinem Kind ist es zu wünschen, in einem disharmonischen Umfeld gross werden zu müssen. Es ist damit zu rechnen, dass sich Kinder aus solchen Verhältnissen schwer tun, selbst Beziehungen auf gesunde Art zu führen. Obwohl sie sich oftmals entscheiden können, nicht das Gleiche zu wollen, wie ihre Eltern, kann es passieren, dass sie genau in solch ein Muster geraten. Manchmal kann das sehr schicksalhaft sein.

Die erwachsenen Söhne und Töchter müssen ihr Leben leben

Es ist sehr zu hoffen, dass unsere Kinder in unserer Gesellschaft ein starkes Selbstwertgefühl entwickeln und ein gesundes eigenes Wertesystem für sich finden, auch bezüglich des Verhaltens zu Frauen und Männer. Es ist zu wünschen, dass die jungen Erwachsenen simpel ausgedrückt sagen können: „Mama hat es so gemacht, Papa hat es so gemacht…. aber ich mache es so, weil es für mich so stimmt.“  Ich wünsche deinen Jungs ein gesundes Selbstwertgefühl, und dass die Liebe der Eltern ihnen den Boden unter den Füssen gegeben hat, damit sie erwachsen geworden für sich selbst entscheiden können und sich selbst treu sein können – egal was ihre Eltern für eine eheliche Beziehung vorgelebt haben.

Herzliche Grüsse

Lady Rose

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