Wanderung mit Schlussbouquet

Unser kurzer Sommerurlaub steht an. Wir wollen im schönen Tessin ein paar kleine Wanderungen unternehmen. Schon bald geht es los. Wir sollten uns etwas darauf vorbereiten, sinnierte ich am Sonntagmorgen, weshalb wir kurzentschlossen in unsere Wanderschuhe schlüpften. Nicht länger als zwei Stunden sollte diese erste Einheit dauern.

Bei schönstem Sonnenschein und guter Dinge machten wir uns auf den Weg. Wir plauderten über Gott und die Welt, während wir die schöne Landschaft genossen.

Nun zitiere ich aus dem Tagebuch meines Ehesubs Adam:

Auf dem Rückweg durchqueren wir dann den angrenzenden Wald. Neben dem Waldweg gedeihen Brennesseln. Mit sattem Grün strecken sie sich jung und kräftig dem Licht entgegen. Wir sind alleine, so weit das Auge reicht. Als ich meine Liebste ansehe, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Sie stoppt das Laufen und sieht auf die Brennesselpracht. “Lust auf ein Tunnelspiel?” fragt sie schelmisch, und ich ahne, dass sie keine Antwort erwartet, hat sie sich diese doch augenblicklich selbst gegeben. Mist, denke ich im Geheimen, da habe ich peinlich genau darauf geachtet, alle heranwachsenden Jungpflanzen der Gattung Urticaceae augenblicklich zu vernichten, wenn sie im Umschwung unseres Heimes aufkeimten. Nun blicken sie mich vom Wegrand her bedrohlich an, während sich die Stimmung meiner Herrin lustvoll auf ihrem Antlitz spiegelt.
 
“Mach mal die Hose runter” säuselt sie zuckersüss, “und jetzt noch die Unterhose”, was ich nach kurzem Zögern dann auch tue. Da hätte ja eh kein Weg daran vorbeigeführt. Die Vorfreude der Herrin jedenfalls lässt keinen anderen Schluss zu, und ich muss wohl echt unsicher und besorgt aus der Wäsche geschaut haben.
 
Die Herrin fordert mich nun auf, eine Brennnessel auszusuchen und zu pflücken. Wenn schon, dann wenigstens eine schöne, junge Pflanze, denke ich und versuche, den Stängel von unten her zu greifen, da ich einmal gehört habe, dass die feinen Stacheln nach oben zeigen und somit von unten her nicht stechen, wenn man aufwärts streicht beim Anfassen. Pustekuchen, schon die erste zögerliche Berührung brennt augenblicklich. Also führt nichts daran vorbei: Zupacken und abreissen. Leider kommt aber das ganze Wurzelwerk mit, da muss ich also noch die andere Hand zu Hilfe nehmen, um die geknickte Stelle hin und her zu bewegen, bis der obere Teil abgerissen ist. Jetzt brennen beide Hände, und das war erst der Stiel!
 
Die Herrin weist mich an, die Brennnessel in die Unterhose zu legen und mich wieder anzuziehen. Also mache ich dies, ziehe die Unterhose hoch und hätte in die Baumkronen springen können. Es brennt wie Feuer im Schritt, die Piercings scheinen zu glühen. Jetzt ist es das erste Mal seit meiner Beschneidung, dass ich mir die Vorhaut wieder herbeiwünsche. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie es jetzt da unten aussieht.
 
Die Herrin amüsiert sich köstlich, zückt ihr Handy und fotografiert meine gequälten Gesichtszüge, während ich die Jeans schliesse, die ich noch niemals so eng empfunden habe. Die ersten Schritte gehe ich wie auf Eiern, jede Bewegung scheint tausend Brennhaare zu aktivieren, die ihre beissende Ameisensäure in die Haut implizieren. Ich konzentriere mich auf das kontrollierte Ein- und Ausatmen, um den Schmerz zu kanalisieren und die Aufmerksamkeit etwas davon weg zu lenken. Mit der Zeit geht es dann auch immer besser, und das anfängliche unkontrollierbare Feuer geht in ein konstantes Brennen über. Die Herrin schreitet beschwingt neben mir her und fragt öfter mal fröhlich nach meinem Befinden. Was bin ich froh, dass wir das Brennnesselfeld erst auf dem Heimweg angetroffen haben. Wie mag es wohl den bedauernswerten Subs gehen, die sich darin wälzen müssen? Ich mag nicht daran denken, obwohl man sich ein Stück weit wohl daran gewöhnen kann. Wenigstens gedanklich darauf einstellen, denn die Wirkung kriegt man auch mit Training nicht klein.
 
Bis wir zu Hause sind, ist dann die Wirkung grösstenteils verpufft. Die Pflanze schmiegt sich wie ein welkes Salatblatt ums Gehänge nach dem Runterlassen der Hose. Ein Blatt umschliesst exakt die blanke Eichel, man hätte sie wohl auch mit Absicht kaum besser einpacken können. Wenigstens hat sich keine allergische Reaktion eingestellt, nur da wo die letzten Reizungen an den Innenschenkeln auftraten, sind noch Pusteln vorhanden. Am längsten ist dann die Auswirkung an den Fingerspitzen zu spüren, da wo ich die Pflanzenstängel fest umfassen musste. Auch nach wiederholtem Händewaschen kommt das Stechen jeweils zurück.
 
In meiner Vorstellung hatte ich das Tunnelspiel mit dem gemiedenen Grünzeug schon länger auf dem Radar, wenn es dann aber soweit ist, sieht es jeweils anders aus. Nun ja, jetzt ist die Premiere jedenfalls vorbei, und es war trotz aller Pein ein spannendes Erlebnis und hat zweifellos wunderbar zur Freude meiner Herrin beigetragen.
 
Ja, es hat tatsächlich wunderbar zu meiner Freude beigetragen. Nichts geht über einen spontanen Einfall, wenn sich eine Gelegenheit dazu bietet! Danke Adam, für deinen schönen Tagebucheintrag!
 

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