Femdom lernen?

Die Frage, ob man Femdom lernen kann, wird oft heiss diskutiert. Die Geister scheiden sich, und ganz lapidar hört man öfter: „Nein, FemDom ist man oder nicht, jedoch lernen kann man es nicht!“

Stimmt diese Aussage?

Nein, sie stimmt nicht! Und trotzdem ist sie auch nicht zu hundert Prozent falsch. 

Was braucht es, um Femdom zu lernen?

Zunächst einmal braucht es eine innere Neigung, ein Potential zur Dominanz gegenüber dem Partner sowie Lust und Freude an sexuellen Experimenten. Absolut notwendig ist es zu wissen, was BDSM und Femdom überhaupt ist und worauf man sich einlassen möchte. Beim Erkunden und Stöbern im Internet, in Büchern oder Filmen sollte man sich mit der FemDom identifizieren können und dabei überwiegend angenehme und angeregte Gefühle wahrnehmen. 

Wie erkennt man eine Neigung zu Femdom?

Um diese Frage zu beantworten, muss man etwas tiefer gehen. Man darf nicht vergessen, dass Sexualität im Leben jeder Person zuerst erkundet werden will. Die psychosexuelle Identität wird geprägt durch innere Veranlagung, Erziehung und durch vorgelebte Muster in der gängigen Gesellschaft. Die eigene Sexualität ist immer auch ein Werdegang durch Lern- und Erfahrungsprozesse im Leben.

Nicht alle Neigungen offenbaren sich auf einen Schlag. Homosexualität beispielsweise wird früh in der Pubertät wahrgenommen, weil diese elementar ist und sich mit dem Verlieben in den entsprechenden Wunschpartner zeigt. Aber wie ist es mit BDSM und mit Femdom? Da fehlen praktisch gesehen einfach oft die dazu gehörenden Kenntnisse und Vorbilder. Vielleicht nimmt man eine gewisse Sehnsucht wahr, ohne jedoch genau bestimmen zu können, was diese beinhaltet.

Eine generell dominante Wesensart bei Mädchen, wird oft subtil bekämpft. In vielen Familien wird von den weiblichen Mitgliedern immer noch das Sich-Anpassen und Kompromissbereitschaft erwartet und manchmal auch erzwungen. Mädchen haben nicht dominant, sondern sozial zu sein, nicht bestimmend, sondern zuvorkommend.

Zugleich haben die Märchen von Aschenputtel, Dornröschen und Co immer noch die gleiche Kraft wie anno dazumal. Das neueste Märchen hat sich eben wieder erfüllt, mit Prinz Harry und Meghan! Sagenhafte neun Millionen verfolgten die Traumhochzeit alleine auf den Sendern ZDF und RTL!

Dominante Vorbilder in Märchen, Geschichten und Filmen findet man selten, und wenn, so werden diese sehr unangenehm und unsympathisch dargestellt. Trotzdem hört man immer wieder, die ist ganz schön dominant, die hat die Hosen an, die war schon immer eigenwillig oder die hat ihren Kopf. Der Unterton dabei kann dabei jedoch missbilligend ausfallen. 

Diese starken, eigenwilligen, dominanten Mädchen werden oft zurück gepfiffen, an die Zügel genommen und es wird ihnen beigebracht, sich anzupassen, sozial zu sein und den anderen, besonders den männlichen Wesen den Vortritt zu lassen. In vielen fortschrittlichen Familien und Schulen werden Mädchen angewiesen, sich für Gleichberechtigung einzusetzen und Teamwork zu pflegen und hochzuhalten. Natürlich sind dies ehrenhaften Tugenden, ohne Frage. Wo jedoch bleibt dabei die Dominanz, der Drang der Mädchen, zu bestimmen und zu führen? Er geht leider oft genug in einem Meer an anderen geforderten Eigenschaften unter. So verabschieden sich viele Frauen nach und nach von diesem inneren dominanten Kern und werden so, wie es die Gesellschaft und das Umfeld von ihnen erwartet.

Erotische Vorbilder

Liebe, Romantik und Blümchensex wird immer noch als Setting durch Werbung und Liebesfilme vorgegeben. Das ist ja in sich nicht falsch, jedoch ist es nicht die einzige mögliche Variante. Viele junge Frauen glauben ernsthaft daran und stellen dies zuerst einmal nicht in Frage. 

Aktionen und Bilder in pornografischen Filmen sollen primär das männliche Publikum ansprechen, welche diese Produkte kaufen. Frauen wie Männer laufen Gefahr, das Gezeigte als Realität zu interpretieren. Viele Frauen glauben erwiesenermassen zum Beispiel, dass es ganz einfach ist, einen Orgasmus zu bekommen. Diese fühlen sich dann schlecht, wenn sie nicht einfach wie auf Knopfdruck kommen können und denken, es stimme mit ihnen etwas nicht. Oder sie glauben, es ist üblich Sperma mögen, im Gesicht, im Mund und überhaupt überall auf ihrem Körper, schliesslich wird das in den Filmen immer so gemacht und die Darstellerinnen scheinen es zu  geniessen. So passiert es oft, dass junge Frauen sich genötigt fühlen, Vorgaben zu erfüllen, die sie nicht einmal mögen.

Neigung entdecken

Frauen müssen im Bereich Sexualität zuerst ihre Erfahrungen machen und sich entwickeln. Sie müssen Glaubenssätze loslassen, um herausfinden, wie sie wirklich ticken. Was mögen sie und was tut ihnen gut? Worauf haben sie Lust und was erregt sie? Möglicherweise sind es die oben beschriebenen Klischees, möglicherweise auch nicht. Es ist unerheblich, wie sie sexuell ticken, sie müssen nur ihre Bedürfnisse entdecken und damit die Chance erhalten, ein sexuell erfülltes Leben zu geniessen.

Es ist nicht ungewöhnlich im Leben einer Frau, dass sie nie direkt mit dem Thema BDSM konfrontiert wurde. Auch wenn alle wissen, dass es Sadismus und Masochismus gibt, warum sollte eine junge Frau damit Erfahrungen gemacht haben? In Filmen oder Bücher werden Szenen, welche einen BDSM Bezug haben, werden zudem 95% der Fälle in der klassischen Konstellation beschrieben, in der der Mann die dominante Rolle inne hat und die Frau die devote. So gesehen, BDSM ganz generell und speziell Femdom kann einfach an einer Frau vorbei gegangen sein. Deshalb ist es sehr gut möglich, eine schlafende BDSM oder Femdom Neigung zu wecken, die zeitlebens still und unbemerkt in einer Frau geschlummert hat, egal wie alt die Frau biologisch ist.

Was passiert bei der ersten Konfrontation mit Femdom?

Was passiert, wenn der Partner, der Freund oder der Ehemann plötzlich und überraschend das Thema Femdom auf das Tapet bringt? Sagt die überraschte Frau sofort„hurra hurra, jetzt weiss ich endlich, was mir immer schon gefehlt hat!“? Wohl kaum! Sie wird zuerst einmal erschrecken und entsetzt jedes Ansinnen diesbezüglich von sich weisen. Eine völlig normale Reaktion bei allen Frauen, die plötzlich und ohne Vorwarnung mit Femdom konfrontiert werden. Dabei ist es zuerst einmal absolut nicht relevant, ob diese Frauen dominant sind oder nicht.

Der Schrecken sitzt tief. Nachdem dieser ein wenig abgeklungen ist, kommt der Moment der inneren Einkehr. Die meisten Frauen werden sich dem Thema stellen. Sie werden in ihr Inneres gehen, und sich selber befragen. Sie werden sich informieren, sie werden Bücher lesen, im Internet forschen, auf Blogs und Foren lesen und auf Seiten landen, in denen Dominas ihre Dienste anbieten.

Gerade Seiten von Dominas bieten solchen Frauen viel Futter für noch mehr Erschrecken und Entsetzen. Warum? Dominas werben für ihre Dienste, und es gehört dazu, dass sie sich extrem dominant und sadistisch darstellen. Sie zeigen sich so konsequent, so dominant und auch so schön, wie die Kunden sie haben wollen. Es ist ihr Business. Sie verdienen ihr Geld damit, dass sie die Wünsche ihrer Kunden erfüllen. Sind sie deswegen dominant? Kann sein, genauso gut kann es sein, dass sie sich gar nichts aus Dominanz und Sadismus machen, sondern alleine auf den lukrativen Verdienst fokussieren. Sie eignen sich sämtliche Techniken an, um ihr Produkt glaubwürdig und dem Wunsche des Kunden angepasst ausführen können. Sicher ist, es ist ein Beruf der viel erfordert und sehr wichtig ist in unserer Gesellschaft. Wir dürfen und können dankbar sein, dass es Anbieterinnen in diesem Bereich gibt.

Doch zurück zu der Frau, welche sich mit dem Thema auseinandersetzt. Sie wird eine Entscheidung fällen. Oft wird es sein „nein, FemDom ist definitiv nichts für mich, kann ich und will ich nicht“. Aber genauso oft kann es passieren, dass mit viel Scheu und Respekt das Thema angegangen wird. Frau will es probieren. Es probieren zu wollen kann von zwei Motivationen geprägt sein. Die eine Motivation wäre, es dem Partner recht machen zu wollen. Leider ist zu erwähnen, dass dies oft nicht funktioniert. Manchmal führt dies sogar zu einem Desaster auf Zeit, besonders wenn es ihr eigentlich keinen Spass macht.

Angenommen Frau will es probieren, weil es sie reizt, weil es sie erregt, weil sie wissen will, wie es sich anfühlt – dann sind schon gute Voraussetzungen denkbar, dass etwas daraus wird. Sollte sie dabei herausfinden, dass es ihr dann doch nichts gibt, soll sie dies unbedingt so schnell wie möglich kommunizieren und das Experiment beenden. Möglicherweise gibt es auch andere Lösungswege, sicher ist jedoch, dass beide zusammen ganz neu herausfinden müssen, wie es weiter gehen mag.

Gehen wir davon aus, dass die Frau die Femdom spannend findet und es ausprobieren will, es um ihrer selbst Willen tut. Fängt sie Feuer, so ist das der Beginn eines Lebens als FemDom.

Femdom lernen

Hier beginnt der Prozess des Lernens! Noch ist keine FemDom als Meisterin vom Himmel gefallen.

Die vielen gelernten und über die Jahre angeeigneten Muster innerhalb der Sexualität und der Beziehung müssen losgelassen und neu definiert werden. Das geht nicht von heute auf Morgen. Schon alleine die Haltung, die Sprache und die Rhetorik will gelernt werden. Plötzlich soll der Mann auch Sub sein, daran muss man sich gewöhnen. Oder sie soll Befehle erteilen oder gar etwas tun, was ihm Schmerzen bereitet? Da kommen Zweifel auf und man fragt sich vielleicht anfänglich immer wieder „was mache ich da eigentlich?“. Solche Fragen sind absolut normal. Es braucht einfach Zeit, um sich zurecht zu finden, in dieser neuen Welt.

Zur FemDom-Werdung gehört auch das Ausprobieren und Erlernen unterschiedlichster Spielvarianten und Techniken. Anatomische Grundkenntnisse, Wirkungen von Materialien und Werkzeugen müssen erlernt werden. Das ist ein ständig laufender Prozess. Es können Fehler passieren, die es auch braucht, um gestärkt und sicherer zu werden. Am Ende weiss eine FemDom aber, was ihr Ding ist, was ihr Spass macht und was sie mit ihrem Sub erleben möchte. Und sie wird es durchziehen, sie wird immer besser darin werden, ihre eigenen Bedürfnisse erfüllt zu bekommen und seine soweit mit einzubeziehen, wie sie es für richtig befindet. Die Beziehung wächst daran und gewinnt an Tiefe, Vertrauen und Zuneigung.

Und ab und an wird er – vielleicht– die Geister verfluchen, die er rief.

 

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