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Konsequente Führung und Disziplinierung des Subs

Das D in der Bezeichnung BDSM bedeutet nicht nur Dominanz, sondern ebenso Disziplinierung. Mit Disziplinierung ist die Erziehung und konsequente Führung des Subs gemeint. Disziplinierung ist in jedem Fall ein wichtiger Aspekt einer Femdombeziehung, denn wie sonst soll die Herrin den Sub führen, wenn nicht mit einer gewissen Disziplin?

Wer erzieht wen in einer gleichberechtigten Beziehung?

Niemand! Es ist auch ziemlich sinnlos, den Partner erziehen zu wollen, der gar nicht erzogen werden will. Man hört schon ab und wann: „Du musst ihn halt erziehen“! Aber wie soll das gehen, wenn beide gleichberechtigt sind? Was passiert in so einem Fall? Aus Erfahrung und Beobachtung kann ich sagen, dass hier sehr viele, teilweise komplizierte Mechanismen greifen. Es wird gestritten, manipuliert, Liebe oder Sex entzogen, Flucht ergriffen und Aussitzen gepflegt. Machtkämpfe sind an der Tagesordnung und können skurrile Formen annehmen. Ich habe einmal bei einem befreundeten Paar erlebt, wie der Machtkampf um den Platz des Kaffeekruges auf der Küchenkombination täglich aufs Neue entbrannte. Es gab Tränen, Wutausbrüche und Beschuldigungen – aber keine klaren Anweisungen. Auf der anderen Seite jedoch bewusste oder unbewusste Zuwiderhandlung gegen diesen ausgesprochenen Wunsch. Wünsche müssen nicht erfüllt werden; es können auch keine Konsequenzen auf Nichterfüllung von Wünschen erfolgen. Es fehlt der konkrete Befehl. Der Streit findet so täglich seine Fortsetzung und zerspringt nicht irgendwann der Krug, so wird es ziemlich sicher die Beziehung.

Den Sub erziehen, ein Privileg der FemDom

In einer Femdombeziehung hat die FemDom das Privileg, jederzeit Anweisungen zu geben. Dies ist oft auch ein Grund, warum aus rein erotischem Femdom meistens bald Dominanz im Alltag angestrebt wird. Die Macht der FemDom zieht so einen grösseren Kreis. Dies ist auch gerne und oft der Fall, wenn eine Spielbeziehung nicht nur aus vereinzelten Treffen besteht, sondern darüber hinaus täglich aus der Distanz greift.

Ist das Femdompaar sich einig, dass Femdom nun auch im Alltag, oder in gewissen Bereichen des Alltags gilt, werden aus den Wünschen plötzlich Regeln. Und Regeln sind Befehle, die erfüllt werden müssen. Erfüllen die Subs diese nicht, hat man erst die Handhabe konkret zu handeln und konsequent auf Erfüllung zu beharren. Das ist sehr praktisch und wohltuend für die FemDom. Aus dem sich Winden und Drücken des manchmal bequemen oder unaufmerksamen Mannes, wird ein Gehorchen und plötzlich passt alles wunderbar. Streit um Macht und um Kleinigkeiten fällt weg, denn er muss gehorchen; so einfach ist das. Er tut es gerne, denn damit ist der Knatsch endlich zu Ende, die Fronten klar und Friede wie Freude kehrt ein. Um die Geschichte mit dem Kaffeekrug wieder aufzunehmen: Sub muss dann den Kaffeekrug genau dort hinstellen, wo sie es will. Tut er es nicht, kann sie ihn ermahnen. Nützt das immer noch nichts, wird sie ihn angemessen bestrafen und beide wissen, es ist in Ordnung. Er muss es kassieren und wird es auch tun – und dann endlich in den sauren Apfel beissen und den Krug immer an die richtige Stelle stellen. Devote Männer wünschen sich eine konsequente Führung und Klarheit aus vollem Herzen. Sie sind glücklich wenn sie geführt werden; sie fühlen sich ernst genommen und wichtig. Regeln für die Herrin zu befolgen entspricht ihrer inneren Neigung und so wird die FemDom ihrem devoten Partner gerecht. Hurra, welch ein Privileg für die FemDom!

Disziplinierung basiert auf Regeln

Um den Sub zu erziehen und zu disziplinieren braucht es Regeln. Ohne Regeln kann man deren Befolgung nicht einfordern. Daher ist es wichtig, dass Regeln erstellt werden. Manchmal lese ich Verträge und Regelwerke, welche Subs erstellen. Das halte ich nicht für sinnvoll, es sei denn diese erfolgen im Auftrag der FemDom. Eine FemDom soll sich überlegen, was sie genau will und was ihr wichtig ist. Welche Regeln sollen dazu führen, dass Sub routiniert die Vorstellungen der FemDom erfüllt? Welches Verhalten erwartete die FemDom von ihrem Sub? Meine Empfehlung ist deshalb, mit ein paar wichtigen Regeln anzufangen. Jene Dinge, die täglich Streitpotenzial liefern oder die man schon lange mal unbedingt ändern wollte, eignen sich bestens. Es sollte eine gute Mischung aus erotischen Regeln sein, aus Anweisungen bezüglich Verhalten und aus Befehlen im Handhaben von alltäglichen Pflichten. Natürlich kann die Lady dem Sub einen Verhandlungsspielraum gewähren, doch aufgepasst: es soll klar sein, bei welchen. Die Regeln, welche sie eins zu eins erfüllt haben will und deswegen nicht verhandelbar sind, sollten entsprechend gekennzeichnet sein. Selbstverständlich muss auch der Sub mit dem Regelwerk einverstanden sein, denn ansonsten landet man gar schnell wieder in der Machtkampf-Zone.

Mit Konsequenz zum Erfolg

Was nützen die schönen Regeln, wenn sie nicht eingehalten werden? Nichts! Konsequenz ist das A und O bei der Disziplinierung des Subs und nur diese führt zum Erfolg. Zu Beginn ist das mit viel Arbeit verbunden. Die FemDom muss sich stets einen Überblick darüber verschaffen, ob der Sub die Regeln befolgt. Sie muss ihn ermahnen und falls das nichts nützt, rigoros und am besten sofort bestrafen. Natürlich kann auch ein Strafbuch geführt werden und Strafsessions abgehalten werden. Das Problem kann hier sein, dass der Bezug zum Regelbruch, welcher bestraft wird, verloren geht. Dies sollte man berücksichtigen und die Verfehlungen aufzählen, die man nun mit einer Strafe neutralisieren will. Weiter ist auch zu beachten, dass im Bereich der Disziplinierung Strafen nicht dazu da sind, den Sub zu bespassen. Passiert genau das, ist das Ziel verfehlt. Sub lernt dann, dass es eigentlich viel Spass macht, sich nicht an die Regeln zu halten. Dies wäre absolut kontraproduktiv und würden den Sub stärken, sich nicht an die Regeln zu halten. Deshalb ist es von absoluter Wichtigkeit konsequent ausserhalb der Wohlfühlzone zu bestrafen und eine klare Linie zu fahren.

Strafen sollen nicht teil eines lustigen Spiels im Bezug auf Demütigung, Public Disgrace oder Lustschmerz werden. Möchte man in einer Spielbeziehung mit dem Aspekt Gehorsam spielen, ist es eine andere Geschichte. Hier braucht es keine Regeln, welche in den Alltag schwappen, sondern nur kurzfristig auf die Session bezogene Anweisungen. Hier kann man auch Aufgaben stellen, die sich nicht erfüllen lassen, nur um dann willkürlich zu bestrafen und mit Scham und Demütigung zu spielen. Mit der Disziplinierung des Subs hat diese Spielart nichts mehr zu tun, hier geht es um andere Komponenten eines erotischen Spiels zwischen Dominanz und Devotion.

Stolpersteine bei der Disziplinierung vermeiden!

Zu viele Regeln

Zu viele Regeln können sehr viel Arbeit generieren und damit die FemDom lähmen. Es ist nicht lustig, täglich mehrmals sehr streng und konsequent zu bestrafen. Viel schöner ist es, wenn die FemDom mit dem Sub noch einige schöne Stunden erleben kann, ohne Erziehung. Die Regeln werden nach und nach zur Routine und sobald der Sub diszipliniert genug ist, kann man das Regelwerk erweitern und die Aufmerksamkeit auf die nächsten Regeln lenken.

Zu wenig Herausforderung

Unterforderung des Subs wirkt sich negativ aus. Ein wenig Herausforderung macht dem Sub mehr Spass und treibt ihn an, es gut machen zu wollen. Er will sich nicht wie ein Kind fühlen, sondern wie ein Mann. Darum sollen die Regeln  zu der Situation und zum Mann passen und zudem auch anspruchsvoll sein.

Unpassende Regeln

Regeln können der Situation entwachsen oder sich als nicht durchführbar herausstellen. Es ist sehr wichtig, dass man das Regelwerk passend hält und nicht an alten Zöpfen festhält, welche letztlich niemandem etwas bringen. Reduktion auf das Wesentliche und Machbare ist daher erstrebenswert. Deshalb ist es wichtig, regelmässig die Regeln zu überprüfen und anzupassen.

Renitenz des Subs

Regeln sind nicht kompatibel mit dem Sub und seinem Alltag

Hier ist wichtig zu erfahren, wo der Schuh wirklich drückt. Vielleicht passen die Regeln nicht wirklich, oder sie treffen auf einen Trigger beim Sub. Oder sie können nicht realisiert werden, weil sie einen Konflikt auslösen, mit der Arbeitsstelle, dem Arbeitsweg oder was auch immer. Am besten ist es den Sub zu jeder Regel ein oder zwei Sätze schreiben lassen. So lässt sich vielleicht herauskristallisieren, wo allenfalls Anpassungen möglich wären.
Besonders wichtig ist, dass Sub wirklich aus freien Stücken mitmachen will, denn sonst ist es ein Spiessrutenlauf und nützt dem ganzen Paar nichts. Vielleicht sollte auch das Thema Strafe nochmals intensiv diskutiert werden. Es könnte sein, dass die Strafen als unangemessen empfunden werden, weil sie zu hart sind, oder zu wenig hart.

Sub will nur den Spass, aber nicht die Arbeit

Will der Sub nur die schöne Seite des Sublebens, die Belohnungen und das Spiel? Möchte er hingegen nicht in den sauren Apfel beissen, und die Regeln einhalten, die von ihm Arbeit und Verhaltensänderungen einfordern, ist guter Rat teuer. Vielleicht gelingt es über den Aspekt Austausch den Sub zu überzeugen, dass er auch einen Gewinn daraus zieht, wenn beide als Femdompaar gut funktionieren und auf ihre Kosten kommen. Ansonsten ist zu prüfen, ob er wirklich devot ist, oder eben nur dominiert und bespielt werden möchte. Ist das der Fall, stellt sich die Frage, ob es einen Kompromiss gibt, oder ob es einfach daran liegt, dass man als Femdompaar nicht zusammen passt.

Zu wenig Konsequenz

Zu wenig Konsequenz führt die Regeln unweigerlich ad absurdum. So wie dieses Zitat, welches ich einmal gehört habe:

„Mein Hund gehorcht mir, wenn ich sage, kommst du, oder kommst du nicht – kommt er oder kommt er nicht!“

Wenn die Regeln nicht eingehalten werden müssen, wird sich Sub den Raum mehr und mehr zurück erobern. Er wird die Dinge wieder so machen, wie er es möchte, ohne Rücksicht auf die FemDom. Er wird sich jedoch nicht besser fühlen. Ganz im Gegenteil, wird er sich als Sub nicht ernst genommen fühlen und wird seinerseits seine FemDom nicht ernst nehmen. Sie verliert an Position und beide werden damit nicht glücklich sein, wenn sie im Grunde ihres Herzens ein wirkliches Femdompaar sind.

Ungerechte Strafen

Ungerechte und willkürliche Strafen haben bei der Disziplinierung in Bezug auf Regeln keinen Platz. Sollte man dieses Spiel der Willkür lieben, wäre eine klare Trennung von den Regeln sinnvoll. Als Strafspiel würde sich eher eine Aufgabe, welche nicht korrekt erfüllt werden kann, besser eignen. Es gibt zahlreiche Subs, welche eine ungerechte Strafe als sehr schmerzlich und enttäuschend empfinden. Wenn sie wissen, warum sie bestraft werden und der Bezug zur Regel gegeben ist, können sie die Strafe gut annehmen. Frust jedoch wirkt sich demotivierend für den Sub aus.

Enttäuschung auf beiden Seiten

Enttäuschung ist wie ein langsam wirkendes Gift. Die FemDom wird mehr und mehr enttäuscht, wenn Sub die Regeln immer und immer wieder bricht. Der Sub genauso, sollte sie sich nicht um seinen Verfehlungen kümmern und diese nicht beachten. Daher ist es wichtig, dass Disziplinierung immer ein wenig im Alltag präsent ist. Nichtbeachten von Regeln sollen bemerkt und geäussert werden – befolgen von Regeln mit einem Lächeln oder einem Lob quittiert werden.

Sowohl FemDom wie Sub profitieren von einer gelungenen Disziplinierung. Sie entwickeln sich gemeinsam weiter und erklimmen neue Sphären in ihrer Femdombeziehung.

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